Eigenbluttherapie: Immunstimulation mit körpereigenem Blut
Die Eigenbluttherapie gehört zu den ältesten naturheilkundlichen Verfahren zur Immunmodulation. Einfach im Prinzip, komplex in der Wirkung.
von Katerina Petrovska
Jedes Jahr dasselbe: Ab Oktober häufen sich die Infekte, die Patienten fragen nach „etwas, um das Immunsystem zu stärken". Die Eigenbluttherapie gehört zu den ältesten naturheilkundlichen Verfahren zur Immunmodulation — einfach im Prinzip, komplex in der Wirkung. Wir erklären, was bei der Eigenbluttherapie passiert und was die Evidenz zeigt.
Was ist die Eigenbluttherapie?
Bei der Eigenbluttherapie wird dem Patienten eine geringe Menge venöses Blut entnommen und — nach optionaler Aufbereitung — wieder zurückgegeben. Das Prinzip: Der Körper reagiert auf das reinjizierte Blut mit einer unspezifischen Immunstimulation. Das eigene Blut wird zum Reiz für das Immunsystem.
Es gibt verschiedene Varianten:
- Unverändertes Eigenblut (intramuskulär): 0,5–5 ml venöses Blut werden in den Gesäßmuskel injiziert. Die einfachste Form.
- Aufbereitetes Eigenblut: Das Blut wird vor der Reinjektion mit Zusätzen versetzt — z. B. mit UV-Bestrahlung (UV-Eigenblut), Ozon (Ozon-Eigenblut, s. Ozontherapie), homöopathischen Potenzen oder Phytopharmaka.
- Hämatogene Oxidationstherapie (HOT): Blut wird mit UV-C-Licht bestrahlt und mit Sauerstoff angereichert, dann reinfundiert.
- Große Eigenblutbehandlung mit Ozon (GEB): 50–200 ml Blut werden mit Ozon versetzt und als Infusion zurückgegeben (siehe Ozontherapie).
- Platelet Rich Plasma (PRP): Eigenblut wird zentrifugiert, das thrombozytenreiche Plasma wird lokal injiziert (Orthopädie, Dermatologie). Streng genommen eine eigene Therapieform.
In der klassischen Naturheilpraxis wird am häufigsten die intramuskuläre Eigenbluttherapie mit unverändertem oder aufbereitetem Blut eingesetzt.
Wirkungsweise: Unspezifische Immunstimulation
Die Eigenbluttherapie basiert auf dem Prinzip der unspezifischen Reiztherapie — einem Konzept, das in der Naturheilkunde seit über 100 Jahren praktiziert wird:
Reizreaktion: Das in den Muskel injizierte Eigenblut wird vom Immunsystem als „fremd" erkannt — nicht weil es körperfremd ist, sondern weil es sich am falschen Ort befindet (intramuskulär statt intravaskulär). Der Körper aktiviert eine lokale Entzündungsreaktion: Makrophagen, Granulozyten und Lymphozyten werden rekrutiert. Diese lokale Immunaktivierung kann eine systemische Immunmodulation auslösen.
Zytokinfreisetzung: Die Immunzellen am Injektionsort setzen Zytokine frei (IL-1, IL-6, TNF-α, Interferone), die als Botenstoffe das gesamte Immunsystem informieren und regulieren.
Hormesis-Prinzip: Ähnlich wie bei der Ozontherapie oder der Fiebertherapie nach Coley setzt die Eigenbluttherapie einen kontrollierten Reiz, der die körpereigenen Abwehrmechanismen hochreguliert.
UV-Eigenblut (HOT): Bei der UV-Bestrahlung des Blutes entstehen photochemische Reaktionsprodukte, die immunmodulatorisch wirken. Wiesner et al. beschrieben eine Aktivierung von Neutrophilen und eine Verbesserung der Sauerstofftransportkapazität [Quelle verifizieren].
Katerina Petrovska, Approbierte Apothekerin: „Die Eigenbluttherapie gehört zu den Verfahren, die man aus der Erfahrungsmedizin kennt — viele Therapeuten schwören darauf, die Studienlage ist aber dünn. Was ich positiv sehe: Das Verfahren ist nebenwirkungsarm und kostengünstig. Was mir fehlt: große, kontrollierte Studien, die den Effekt über Placebo hinaus belegen."
Anwendungsgebiete
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Chronische Infektanfälligkeit: Die häufigste Indikation. Patienten mit wiederkehrenden Erkältungen, Sinusitiden oder Bronchitiden. Die Eigenbluttherapie soll die Immunabwehr unspezifisch stärken.
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Allergien und Heuschnupfen: In der Erfahrungsmedizin wird die Eigenbluttherapie präsaisonal bei allergischer Rhinitis eingesetzt. Die Rationale: Immunmodulation soll die überschießende allergische Reaktion regulieren. Kontrollierte Studien sind begrenzt.
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Hauterkrankungen: Neurodermitis, Akne, chronische Urtikaria. Die Eigenbluttherapie wird als immunmodulatorische Begleittherapie eingesetzt. Einzelne Studien zeigen positive Tendenzen bei chronischer Urtikaria [1].
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Chronische Erschöpfung: Als Teil eines naturheilkundlichen Gesamtkonzepts zur Immunstärkung.
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Rekonvaleszenz: Nach schweren Infekten zur Unterstützung der Immunregeneration.
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Wundheilungsstörungen: PRP (Platelet Rich Plasma) — eine spezielle Form der Eigenbluttherapie — hat gute Evidenz bei muskuloskelettalen Verletzungen und chronischen Wunden.
Dosierung und Verabreichung
| Methode | Blutmenge | Verabreichung | Frequenz |
|---|---|---|---|
| Unverändertes Eigenblut | 0,5–5 ml (aufsteigend) | Intramuskulär (Glutealmuskel) | 1–2× pro Woche |
| UV-Eigenblut (HOT) | 50–60 ml | IV-Reinfusion | 1× pro Woche |
| Ozon-Eigenblut (GEB) | 50–200 ml | IV-Reinfusion | 1× pro Woche |
| PRP | 10–30 ml (zentrifugiert) | Lokale Injektion | Individuell |
Typisches Protokoll (unverändert, IM):
- Sitzung 1: 0,5–1 ml
- Sitzung 2–3: 2 ml
- Sitzung 4–6: 3–5 ml
- Aufsteigende Dosierung, 6–10 Sitzungen, 1–2× pro Woche
Wichtige Hinweise:
- Sterile Blutentnahme und Reinjektion unter hygienischen Bedingungen.
- Blut darf nicht gerinnen (bei größeren Mengen Natriumcitrat zusetzen).
- Bei aufbereiteten Verfahren (HOT, Ozon) entsprechende Geräte und geschultes Personal erforderlich.
- IM-Injektion: Aspirieren, um versehentliche intravasale Gabe zu vermeiden.
- Nur durch medizinisches Fachpersonal durchführen lassen.
Aktuelle Studienlage
Pittler et al. (2003): Cochrane-ähnlicher systematischer Review zur Eigenbluttherapie. Die Autoren identifizierten methodische Schwächen in den meisten Studien und konnten keine eindeutige Evidenz für oder gegen die Therapie formulieren [Quelle verifizieren].
Staubach et al. (2006): Randomisierte, placebokontrollierte Studie zur Eigenbluttherapie bei chronischer Urtikaria (n=56). Die Eigenblut-Gruppe zeigte eine signifikante Verbesserung des Urtikaria-Scores im Vergleich zur Kontrollgruppe [1].
Cho & Suh (2014): Review zur Eigenbluttherapie bei Hauterkrankungen. Die Autoren beschrieben positive Ergebnisse bei chronischer Urtikaria und Akne, betonten aber die Notwendigkeit größerer Studien [2].
Ehrliche Einordnung: Die Eigenbluttherapie gehört zur Erfahrungsmedizin mit langer Tradition. Die kontrollierte Studienlage ist dünn. Positive Einzelstudien existieren (v. a. bei Urtikaria), aber große randomisierte Studien fehlen. PRP als spezielle Eigenblutform hat eine deutlich bessere Evidenzbasis (Orthopädie, Sportmedizin, Wundheilung).
Kontraindikationen und Nebenwirkungen
Kontraindikationen:
- Akute Infektionen mit Fieber
- Schwere Gerinnungsstörungen
- Antikoagulantien-Therapie (relative Kontraindikation bei IM-Injektion)
- Schwere Autoimmunerkrankungen (Immunstimulation kann kontraproduktiv sein)
- Schwangerschaft
- Blutübertragbare Erkrankungen (bei Eigenblut theoretisch kein Fremdinfektionsrisiko, aber hygienische Standards einhalten)
- G6PD-Mangel (bei Ozon-Eigenblut)
Nebenwirkungen:
- Lokale Schmerzen und Hämatom an der Injektionsstelle
- Fiebrige Erstreaktionen (gewünscht, aber aufklären!)
- Müdigkeit, grippeähnliches Gefühl für 24–48 Stunden
- Lokale Entzündungsreaktion (Rötung, Schwellung)
- Selten: Abszessbildung bei mangelhafter Hygiene
- Sehr selten: Kreislaufreaktionen
Worauf sollten Sie bei der Beschaffung achten?
- Blutentnahmesysteme: Sterile Einmalspritzen und -nadeln. Für größere Mengen: geschlossene Blutentnahmesysteme.
- Antikoagulanzien: Natriumcitrat-Lösung 3,8 % (bei HOT und GEB).
- UV-Bestrahlungsgerät: Für HOT: zugelassenes Medizinprodukt mit kalibrierter UV-C-Strahlung.
- Ozongenerator: Bei GEB: siehe Ozontherapie.
- Dokumentation: Jede Eigenblutbehandlung dokumentieren (Menge, Aufbereitung, Injektionsstelle, Reaktionen).
Katerina Petrovska, Approbierte Apothekerin: „Die Eigenbluttherapie ist ein typisches Verfahren der niedergelassenen Naturheilpraxis — kostengünstig, gut verträglich und einfach durchzuführen. Wir liefern das benötigte Zubehör und beraten bei der Auswahl der geeigneten Variante. Für die HOT-Variante bieten wir komplette Starter-Sets an."
Häufig gestellte Fragen
Tut die Eigenbluttherapie weh? Die Blutentnahme ist vergleichbar mit einer normalen Blutabnahme. Die intramuskuläre Reinjektion kann einen kurzen Stich und ein lokales Druckgefühl verursachen. Bei größeren Mengen (HOT, GEB) erfolgt die Reinjektion als Infusion.
Wie schnell wirkt die Eigenbluttherapie? Die immunmodulatorische Wirkung baut sich über mehrere Sitzungen auf. Manche Patienten berichten nach 3–4 Sitzungen über eine verbesserte Vitalität. Für die Beurteilung der Infektanfälligkeit braucht man mindestens eine Erkältungssaison.
Kann man die Eigenbluttherapie zu Hause machen? Nein. Die Eigenbluttherapie ist eine invasive medizinische Maßnahme, die unter sterilen Bedingungen durch Ärzte oder Heilpraktiker durchgeführt werden muss.
Ist die Eigenbluttherapie wissenschaftlich anerkannt? Die Eigenbluttherapie gehört zur Erfahrungsmedizin. Sie ist nicht Teil der konventionellen Leitlinienmedizin, wird aber von vielen Naturheilkunde-Fachgesellschaften empfohlen. Die Studienlage ist begrenzt, wächst aber.
Was kostet eine Eigenbluttherapie? Die einfache IM-Eigenbluttherapie kostet 20–50 € pro Sitzung — vergleichsweise günstig. HOT: 60–120 €, GEB: 60–150 €. Ein Zyklus von 8–10 Sitzungen kostet 160–500 € (IM) bzw. 480–1.500 € (HOT/GEB). Keine Kassenleistung.
Quellen
- Staubach P, Onnen K, Vonend A, et al. Autologous Whole Blood Injections to Patients with Chronic Urticaria and a Positive Autologous Serum Skin Test: A Placebo-Controlled Trial. Dermatology. 2006;212(2):150-159. doi:10.1159/000089585
- Cho YS, Suh HS. Autohemotherapy. In: Allergy and Immunology. Springer; 2014.
- Bocci V. Ozone: A New Medical Drug. 2nd ed. Springer; 2011.
Pflichthinweis gemäß §4 HWG: Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient der fachlichen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung oder Diagnose.
Dieser Artikel wurde von Katerina Petrovska (Approbierte Apothekerin, Apotheke zum weißen Schwan, Berlin) fachlich geprüft. Letzte Aktualisierung: März 2026.